
Wie kann ich ein starker Mann sein?
Die Bilder, die viele Männer sofort im Kopf haben:

Laut sein

Schmerz aushalten

muskulös sein


Chef sein



Ist das wirklich, was einen starken Mann ausmacht? Und tut dir das gut?

Ich habe eine kleine qualitative Umfrage unter 12 - 18-jährigen Jungs zum Thema Männlichkeit durchgeführt.
Hinter diesem Kreisdiagramm befinden sich immer wieder spannende Ergebnisse.

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Der Preis dieses Männlichkeitsbilds
Das ist das traditionelle Männerbild.
Es wirkt stark, hat aber ernste Folgen:
Das traditionelle Bild vom Mann (auch toxische Männlichkeit genannt) wirkt auf den ersten Blick stark: selbstständig
und unerschütterlich. Aber genau dieses Bild hat oft einen hohen Preis. Für viele entsteht ein starker Druck, diesen Erwartungen zu entsprechen¹: keine Gefühle zeigen,
viel Geld verdienen, Probleme allein lösen und auf keinen Fall Schwäche zeigen.



Wer von klein auf lernt, verletzliche Gefühle wie Traurigkeit, Angst oder Überforderung zu unterdrücken, staut innerlich immer mehr an. Das zeigt sich später oft als Wut, Frustration oder Aggression.² Kein Wunder also, dass Männer häufiger in Gewalt verwickelt sind als Frauen,³
87 % aller Tötungsdelikte werden von Männern verübt.⁴
Hinzu kommt: Viele Jungs und Männer reden nicht über ihre Probleme und holen sich seltener Hilfe.⁵ Das bleibt nicht ohne Folgen: Männer haben ein deutlich höheres Risiko für Suchtverhalten.⁶ Etwa drei Viertel der Alkohol- und Drogenabhängigen sowie Glücksspielsüchtigen sind Männer,⁷ und drei von vier Suiziden sind Männer.⁸
Hilfe bietet die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111,
rund um die Uhr, anonym und kostenlos.
Kurz gesagt: Das Ideal „unverwundbar sein“ macht dich verwundbarer, nicht stärker.
Es gibt nicht die eine Definition, wie ein Mann zu sein hat. Du kannst also selbst entscheiden, wie und wer du sein möchtest.

„Wie beeinflussen Geschlechterrollen das Verhalten von dir und Jugendlichen in deinem Umfeld?“

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„Viele tun Dinge, um zumindest teilweise im Rollenbild zu bleiben und nicht als „komisch“ gesehen zu werden.“
„Verhalten sich anders, zeigen keine Gefühle.“

Starke Vorbilder?
Wer bringt uns eigentlich bei,
wie man „Mann“ ist?
Influencer, Väter, Opas, große Brüder, Lehrer, Freunde. Sie alle tragen dazu bei, was du über Männlichkeit denkst. Denk mal drüber nach: Wer fällt dir ein,
wenn du an ein Vorbild für Männlichkeit denkst?

Wenn du auf TikTok oder YouTube Shorts scrollst, dauert es keine 25 Minuten, bis dir Inhalte mit antifeministischen, maskulinistischen oder extremistischen Ansichten begegnen.⁹
Da tauchen ständig Typen auf, die scheinbar alles im Griff haben: reich, durchtrainiert, gefühllos.
Keine Schwächen, keine Zweifel. Dafür schnelle Autos, teure Uhren, Sixpack und Sprüche wie: „Ein echter Mann braucht niemanden.“ Solche Typen wirken auf den ersten Blick vielleicht selbstbewusst und erfolgreich. Aber was steckt wirklich dahinter?
Und gibt’s nicht auch andere Männer, die stark sind, ohne dabei so zu tun, als hätten sie keine Gefühle?
Also: Zeit über Vorbilder zu sprechen! Wem hörst
du zu? Wem eiferst du nach? Und: Welche Werte stecken dahinter?


„Welche Gefühle fallen dir schwer zu zeigen?“
„Unsicherheit, Angst“
„In der Schule wird man ausgelacht zu weinen.“
„Schwäche“
„Hilflosigkeit“
„Liebe / Zuneigung“

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Einer der bekanntesten Influencer, wenn’s um das „harte“ Männerbild geht, ist Andrew Tate.
Viele sehen in ihm ein Vorbild: Er hat Muskeln, Geld, dicke Autos, eine große Klappe. Einer, der angeblich genau weiß, wie „echte Männer“ sein sollen und ein gutes Leben aussieht. Seine Botschaft: Erfolg, Dominanz, keine Gefühle zeigen, einfach durchziehen. Und Frauen? Am besten schön und unterwürfig.
In seinen Videos sagt er Dinge wie:


Ein Mann lässt seine Freundin nicht allein in den Club. „Nein, du bleibst in deinem Haus, du gehst nirgendwo hin.“
„Ich glaube nicht an Depressionen.“
„Du hast mich betrogen. Ich haue mit der Machete zu, schlage ihr ins Gesicht und packe sie dann am Hals. Halt's Maul, Schlampe!“
„Sie (eine Frau) ist mein Besitz.“
Das ist keine Show. Das ist gefährlich: sexistisch, gewaltverherrlichend, frauenfeindlich. Er vermittelt toxische Verhaltensweisen als Ideal und wertet dabei Frauen als untergeordnet ab.
Auf vielen Plattformen ist er gesperrt und gegen ihn wird wegen organisierter krimineller Vereinigung, Geldwäsche, Menschenhandel und sexuellem Missbrauch ermittelt.¹⁰ Trotzdem bleibt er für viele ein Idol.¹¹ Warum?

Ein Grund: Weil viele Jungs zwischen widersprüchlichen Erwartungen stecken, die nicht vereinbar sind:¹² Einerseits sollen sie Gefühle zeigen, Teamplayer sein, nicht übergriffig. Andererseits wird ihnen immer noch vermittelt: Ein Mann muss hart,
stark, leistungsorientiert sein und die Kontrolle haben. Stichwort toxische Männlichkeit.
Es fehlen reale, vielfältige Männer als
Bezugs-personen im Alltag.¹² Das fängt in der Kita an und setzt sich in der Grundschule fort, wo kaum männliche Pädagogen unterrichten. Das wiederum führt dazu, dass Jungs sich an virtuellen „Helden“
orientieren.
Tate gibt einfache Antworten auf ein kompliziertes Thema. Statt echte Lösungen zu bieten, verkauft Tate ein Ideal, das auf Angst basiert: Angst, nicht zu genügen. Und genau das macht viele Jungs verletzlicher, nicht stärker.

Und jetzt?
Klar ist: Es braucht andere Vorbilder.
Männer, die zeigen, dass Stärke und Mitgefühl kein Widerspruch sind. Zum Glück gibt es längst Männer, die zeigen: Stärke hat viele Gesichter.


Und auch in deinem Umfeld kannst du dich nach Vorbildern umsehen:
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Ein Lehrer, der mit Geduld erklärt, anstatt rumzubrüllen.
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Ein Krankenpfleger, der mitfühlend handelt.
-
Ein Vater, der Windeln wechselt und nicht nur
Geld verdient.
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Ein Freund, der weint und offen über seine Probleme spricht.
Diese Männer zeigen: Echte Stärke braucht kein „Alpha-Gehabe“. Du musst nicht hart, reich oder dominant sein, um stark zu wirken. Du kannst fühlen, zuhören, dich kümmern und trotzdem stark sein.
Du suchst nach Vorbildern, die dir wirklich gut tun?
Hier findest du Tipps, wie du Vorbilder findest, die dich stärken, statt schwächen.

Stark ohne Schläge
Wenn aus Wut Gewalt wird
Viele „Vorbilder“ vermitteln das traditionelle toxische Männlichkeitsbild. Das Problem? Genau solche Ideale fördern Gewalt.¹³
Tatsächlich sind Männer deutlich häufiger Täter von Gewalt, insbesondere bei schweren und strafrechtlich relevanten Delikten.³
Aber das liegt nicht daran, dass Männer „von Natur aus“ gewalttätig sind. Ein wichtiger Grund: Viele Jungs lernen früh, ihre Gefühle zu unterdrücken und Stärke mit Kontrolle gleichzusetzen.


Was ist überhaupt Gewalt?
Gewalt ist nicht nur Schlagen. Sie hat viele Gesichter:¹⁴
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Körperlich: Treten, schlagen, festhalten.
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Psychisch: Beleidigen, bedrohen, manipulieren.
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Strukturell: Wenn Menschen durch soziale Strukturen benachteiligt werden, z. B. wegen
ihres Geschlechts.
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Kulturell: Wenn Gewalt durch Sprüche oder Rollenbilder gerechtfertigt wird, z. B. „Selbst schuld, wenn sie so rumläuft“, nach einem sexuellen Übergriff.
Wut ist nichts Schlechtes. Sie zeigt, dass dich etwas verletzt oder stört. Doch oft steckt hinter Wut mehr: Angst, Enttäuschung, Scham oder Schmerz.
Gewalt wird dann oft genutzt, um sich stark zu fühlen, Kontrolle zu gewinnen oder Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren.¹⁴ Aber: Wut ist okay, Gewalt nicht.
Die Frage ist also: Wie gehst du mit Konflikten um, ohne anderen (oder dir selbst) zu schaden?

Was tun, wenn du wütend wirst?
Wenn’s richtig in dir kocht:
Atme tief durch. Geh kurz raus. Zähl bis zwanzig.
Gib dir selbst Zeit, um runterzukommen.
Das hilft auch, um Wut rauszulassen:
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Bewegung: Kampfsport (Boxen, Taekwondo), Joggen, Tanzen, Fußball oder Yoga.
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Beruhigung: Bewusst tief atmen.
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Selbstsicherheit: Lerne dich gut kennen und lieben, um nicht von jeder Provokation verunsichert zu werden. Was bringt dich auf die Palme?
Was hilft dir, runterzukommen?
Schreib's auf und probier's aus.

Konflikte gewaltfrei lösen – so gehts
Gewaltfrei bedeutet nicht nur, keine Schläge zu verteilen. Es heißt auch, respektvoll zu sprechen
und gemeinsam Lösungen zu finden.¹⁵
So funktioniert’s:
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Beobachten: Was genau passiert gerade?
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Gefühl benennen: Wie fühlst du dich dadurch?
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Bedürfnis nennen: Was brauchst du?
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Bitte formulieren: Was wünschst du dir?
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Gemeinsam eine Lösung finden. Zuhören ist dabei genauso wichtig wie Reden. Versuch auch, die Sicht der anderen Person zu verstehen.
Wenn du mit Wut nicht gut umgehen kannst, findest du hier Beratungsangebote in deiner Nähe.

Erkenne, was Gewalt ist
Du entscheidest, wie du mit Wut umgehst
Wut spüren ist menschlich.
Gewalt ist eine Entscheidung.
Du kannst lernen, deine Wut ohne Gewalt auszudrücken und so stark zu bleiben, ohne dich oder andere zu verletzen. Das ist Stärke!

Starkes Frauenbild?
Wie redest du über Frauen?
Gewalt beginnt mit Worten. Mit Sprüchen und Abwertungen, über die „man ja wohl noch lachen darf“.
Achte mal drauf: Was sagst du über Mädchen,
wenn keine dabei sind? Was sagen deine Freunde?
Viele Jungs sprechen unter sich abwertender über Frauen. Das nennt man „Locker Room Talk“.
Viele sagen dann: „War doch nur Spaß!“
Aber: Sprache wirkt. Du normalisierst damit Respektlosigkeit und Sexismus.
Genau das zeigt die Gewaltpyramide¹⁶
Unten stehen unter anderem sexistische Witze
und Slut-Shaming.
Dann folgen Nachpfeifen, unangemessene Kommentare, sexuelle Belästigung, Manipulation, Kontrolle, Stalking.
Ganz oben: Vergewaltigung, körperliche Gewalt und
an der Spitze Femizide – Morde an Frauen, weil sie Frauen sind.¹⁷
Sprüche, die für dich harmlos wirken, bilden durch die Normalisierung die Basis für explizite Gewalttaten.

Also, was kannst du tun?
Hinterfrage dein eigenes Verhalten.
Streiche sexistische Sprüche aus deinem Wortschatz.
Und ganz wichtig: Sag was, wenn jemand abwertend über Frauen redet. Manchmal reicht ein: „Ey, das geht gar nicht.“
Denn: Echte Stärke ist nicht mitzulachen,
sondern was zu sagen.

Incel & ChampLife: die Spitze dieser gefährlichen Rollenbilder
„Incel“ bezeichnet Männer, die unfreiwillig ohne Beziehung oder Sex leben und Frauen dafür die
Schuld geben. Der daraus entstehende Frauenhass führte bereits zu mehreren Attentaten.¹⁸
ChampLife ist eine Online-Community, die Männer „coacht“, dabei jedoch gefährliche Ideen verbreitet. Etwa, dass Männer Frauen manipulieren,
dominieren und ausbeuten sollten.

Beide Szenen haben gemeinsam:
Sie machen aus Frust und Unsicherheit Hass auf Frauen. Sie versprechen Stärke, liefern aber Wut, Einsamkeit und Gewalt.
Echte Stärke sieht anders aus. Nicht abwertend
und gewalttätig.

Stärke ist nicht Härte
Also: Wie kann ich ein starker Mann sein?
Nicht jeder Mann muss gleich sein.
Aber klar ist: Stärke heißt heute etwas anderes
als früher.
Stark ist …

...wer auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden achtet.
...wer seine Gefühle und Probleme nicht mit Alkohol oder Drogen betäubt.
...wer sich Hilfe sucht, statt alles allein lösen zu wollen.
...wer sich wohlfühlt, ohne andere kleinzumachen.

...wer Grenzen respektiert. Die eigenen und die der anderen.
...wer Streit gewaltfrei und mit Respekt lösen kann.
...wer bereit ist, sich zu hinterfragen und dazuzulernen.
...wer mit Worten für sich und andere einsteht.
...wer Gefühle zulässt. Auch Tränen.

Aber vor allem gilt:
Stark ist, wer den Mut hat, so zu sein, wie er sich wirklich wohlfühlt.


Auf die Frage: „Hast du das Gefühl, alle Gefühle zeigen zu dürfen?" haben nur 31 % der Jungs „Ja" geantwortet (50 % Nein).
Auf die Frage, ob sie das Gefühl haben, dass Frauen alle Gefühle zeigen dürfen, wurde zu 69 % „Ja" geantwortet (13 % Nein).

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Zeit, deine Perspektive zu ändern.
Du musst nicht perfekt sein.
Aber du kannst mutig sein.
Mutig, neu zu denken.
Mutig zu hinterfragen.
Mutig, Dinge anders zu machen.
Mutig, einfach du selbst zu sein, auch wenn’s
nicht alle feiern.
Du kannst nicht ändern, was dir beigebracht wurde.
Aber du kannst entscheiden, wer du sein willst.
Und das ist eine verdammt starke Entscheidung.
Weiterführendes
HEROES
Workshops und Trainings für Jugendliche zu Männlichkeit, Gleichberechtigung und Rollenbildern.
Männerbilder im Wandel
Workshop über moderne Männlichkeiten und gesellschaftliche Erwartungen.
Real Boys
Ein Buch über Jungen, die mutig, gefühlvoll und ganz sie selbst sein dürfen.
Wenn du Unterstützung brauchst
Krisenchat: Chatberatung rund um die Uhr
Nummer gegen Kummer: 116 111
TelefonSeelsorge: 116 123
Ein fiktives Kommunikationskonzept für ein digitales Jugendangebot vom
